Und sagt "Black Lives Matter"

Doron Rabinovici schreibt zurück: "... nicht genügen kann uns, jenes Österreich, das 1938 zerstört wurde, einfach nur wiederauferstehen zu lassen. Jenes Österreich von 1938 war eine Diktatur, in ihr war der Judenhass allgemein verbreitet, das Herabsehen auf Roma gehörte zur gesellschaftlichen Normalität, Homosexualität wurde gesetzlich bestraft. ...

Aber auch ein Österreich, das sich berühmt, Menschen im Meer ertrinken zu lassen, ist nicht das Österreich, für das Menschen wie Lotte Brainin, Rosa Jochmann oder Hermann Langbein litten und kämpften. Ein Europa, in dem Roma allein ihrer Herkunft wegen getötet werden, ist nicht jenes Europa, das sie erhofften. Sie wussten, wie schnell ein Mensch zum Flüchtling werden kann. Sie verstanden, dass es kein Menschenrecht ohne Asylrecht gibt. Sie hatten erlebt, wie die Hetze gegen eine Gruppe zur Unterdrückung aller führen kann. Sie hatten erfahren, wohin Koalitionen mit Rechtsextremen enden können.

Wären sie noch am Leben, würden sie heute mit uns, des 8. Mai gedenken. Nicht der Vergangenheit, sondern der Zukunft wegen. Ihnen ging es um ein Land, das gar nicht erst von alliierten Truppen befreit werden müsste, sondern sich den autoritären Populisten couragiert entgegenstellt. Unsere Erinnerung ist der Widerstand gegen die Geschichtsleugner und die Hoffnung auf eine Gesellschaft, die gegen Rassismus auftritt und sagt: „Black Lives Matter.“ Unsere Erinnerung ist die Sehnsucht nach einem Europa der Vielfalt, das die Schwächsten nicht im Stich lässt, nicht im eigenen Land und nicht in Moria. Das einzige Fest für die Befreiung kann immer nur der Kampf für sie sein."





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